Featherrain
Back for good?

Sicherlich nicht.

Mood: Hungrig, und sehr... nachdenklich
Music: gotan project / bajofondo tango club

myblog verwirrt mich, deswegen setze ich mich damit jetzt nicht weiter auseinander, sonst verliere ich - wie immer - das Ziel aus den Augen.

Warum bin ich aber plötzlich wieder in meinem Blog (dessen Aufmachung ich mal wieder ändern muss)? Weil ich denke, dass das inzwischen eine verkappt private Sache geworden ist. Es kann theoretisch jeder einsehen und es lesen, aber er ist selbst bei mir in Vergessenheit geraten, deswegen kann ich auch einfach Gedanken, die mich beschäftigen und die ich formulieren will, hier niedertippen. Das tut gut, daran glaube ich. Output schafft Platz für mehr Input, und in der Wertschöpfungskette zwischen Input, Output und dem nächsten Input glaube ich fest daran, dass meine Gedanken sich etwas sortieren werden, festigen, nicht mehr nur alte Schemen sind und mich beruhigen.
Ich leugne Psychologen, aber wenn ich an etwas glaube, dann daran, dass Reden dem Denken hilft, dem Erkennen, dem Einsehen, dem Verstehen. Dazu braucht man auch den entsprechenden Partner - ob eine Person oder einfach nur sich selbst, dem man Vorlagen für den Monolog auferlegt, wie Klarheit und Konsistenz. Wenn etwas unklar ist oder schwammig - denke und recherchiere, bis du das richtig erklären kannst. Dann hast du es verstanden. Das betrifft nicht nur das Lernen, sondern auch soziale Kompetenzen, Selbsterkenntnis/-verständnis und anderes an Problembewältigung.
Deswegen rede ich hier mit mir selbst.

Zunehmends ist es einfach nur offenkundig, dass ich mich sehr stark in letzter Zeit auch für Bildungssysteme interessiere. Am Wochenende laufen vormittags oft interessante Dokumentationen darüber auf Vox, die ich mir gerne ansehe, wenn ich sie erwische und das Thema mich wirklich interessiert. Oder auch über Forschung, besonders über Krankheiten und Abnormen (wobei doch das Wort 'Norm' das unnormalste der Welt ist. Abstrakter geht es nun wirklich nicht).
Heute also ein wenig über Autismus und mal wieder über diese freien Schulen und dem präventiven Unterricht, wie englische Kindergärten und schießmichtot.

Autismus war an sich sehr spannend, weil es mal wieder einen kleinen Bereich weiter aufgefächert hat bei mir. Ich will mal wieder sehr viel mehr darüber wissen. Psychologische, neurologische und biochemische Probleme bei Menschen sind sowieso ein Phenomena, das einfach nur thrilled. Besonders, wenn man das in Addition zum sozialen Umfeld stellt. Psychoanalayse ist in vielerielei Hinsicht einfach nur fucked up, weil du mit irgendwelchen Herleitungen du nicht alles erklären kannst. Nicht nur das Leben prägt den Menschen, sondern das, womit er auf diese Welt gesetzt wird.
Es ging insbesondere um Tempel Grandin, eine Autistin, die sich dadurch sehr hervorgetan hat, dass sie Einblicke in die Wahrnehmung von Autisten geschaffen hat und in der Viehzucht und -Haltung für viele Erneuerungen und Erkenntnisse sorgte. Artgerechtere Haltung und besserer Umgang mit Nutzvieh geht mit auf ihr Konto, Dank ihrem Autismus.
Immer wenn ich darüber höre und lese versetzt es mich in einen gemischten Zustand aus Ehrfurcht und Mitgefühl. Ich will sie nicht bemitleiden, auch wenn sie unter vielen Dingen leiden. Aber Mitleid hilft niemanden viel, es muss schon die Handlung dahinter stehen. Ich jedoch bleibe schwiegend dasitzen und starre nur. Die Ehrfurcht rührt daher, dass sie eine so andere Sicht auf die Welt haben. Sie ist erschreckend, laut, beänsgtigend, gefährlich, reizüberflutend. Wir sehen, fühlen, bemerken vieles nicht, was für sie an Lebensbedrohung grenzt, intuitiv. Sie kriegen noch die wirklich kleinen Dinge der Welt mit, sie verknüpfen vieles völlig anders, oder eben gar nicht. Da liegt ja das Problem, oder eher der Catch. Ich denke, solche Menschen wie Grandin sind unheimlich bereichernd für die Gesellschaft. Was mich aber am meisten flashte war ihre These, dass Autisten und (Nutz)Tiere unheimlich viel gemeinsam haben und das da vieles auf gleicher Basis funktioniert. Die Emotionen sind viel simpler gestrickt, die Wahrnehmung sehr weit gefächert und das Verarbeiten dieser Informationen eine für mein Gefühl fast schon urige Handlung. Es ist vieles linear, und ich denke, wenn man oft wem nicht folgen kann, dann einfch nur daran, dass die Assotiation dazwischen fehlt. Wenn man sich selbst nicht versteht, dann geht man den Weg langsam zurück. Es ist verblüffend, was einem dabei sich erschließen kann.

Was mich ein wenig zum nächsten Thema führt: Bildung & Lernen. Es gibt inzwischen seit vielen Jahre sehr viele verschiedene Schulsysteme neben dem, das die meisten von uns kennen. Die sind grundsätzlich eher für die Kinder offen, deren Eltern das Geld dazu haben - und auch das nötige Vertrauen darin. Vorraussetzend ist die Teilnahme von anbeginng, denn ich stelle es mir sehr schwer vor, dass ein Kind, sagen wir mal mit 12 Jahren, dass vorher eine völlig normale Schullaufbahn gegangen ist, plötzlich in dieses System umsteigen soll: der Selbstverantwortung, Selbstorganisation und vielem mehr. Ich sehe vielerlei Vorteile in diesem System, aber ich bin trotzdem misstrauisch. Ja, ich stimme dem einen Kerl aus der Doku zu, dass über die Jahre hinweg in Deutschland sich die Tendenz entwickelt hat, dass wir unsere Kinder auch gerne zur Faulheit erziehen können. Die Grundschule, sagen wir, fördert nicht zugenüge, dann ist für die meisten Grundschüle die Umstellung im Gymnasium doch schon sehr merkwürdig, wo da doch so ein Niveausprung ist. Mir ging das so. Es war merkwürdig und ich bekam sehr viel Angst vor all dem. Es fehlte die Kunst lernen zu können.
Dann kommt hinzu, dass wenn Eltern sehen, dass ihre Kinder es auch so hinkriegen in der Schule irgendwie zu sein, dann wollen sie besondere Talente des Kindes fördern. Wundervoll, kann man nur zustimmen, aber wenn es so weitergeht, dann muss man sehen, wie das mit dem Druck wird. Das Niveau steigt und ich denke, es ist von Vorteil, wenn man anfängt, Prioritäten zu setzen.
Wahrscheinlich werden meine Eltern mir nie verzeihen, dass ich nach einem halben Jahr Keyboardunterricht einfach gar nicht mehr wollte und konnte und beim Üben wie ein Schlosshund heulte. Ich war 7 oder 8, und mir machte das Spielen Spaß, aber ich hasste es, wenn sie daneben saßen und mir zusahen, mir sagten, wie ich es machen musste. Bis heute fällt es mir schwer, nicht auf meine Hände zu starren, wenn ich irgendwas mache. Es gibt nur zwei Ausnahmen: das Zeichnen mit dem Grafiktablett (wo ich die Bewegungen auf dem Monitor sehe und dadurch automatsich ein Gefühl habe, wo ich mich mit dem Stift und der Hand bewege) und das andere das Tippen. Und bei letzterem bin ich wirklich erstaunt. Ich habe das hin und wieder getestet, als ich noch in Berlin war. Da ließ ich meine Tastatur unterm Schreibtisch hauptsächlich, nur so weit rausgeschoben, dass ich bequem rankam, und tippte, während ich nur auf den Bildschirm guckte. Und es ging. Genauso andersrum - wenn ich nur auf die Tastatur starrte, wusste ich zumeist, was genau ich auf dem Bildschirm stand. Ich tippte, wie immer, mit meinem chaotischen 4-5-6-7-8-Fingersytsem, wie sich grad ein Finger als nützlich erwies, das sich über die Jahre bei mir eingebürgert hatte. Und ich sah an den Bewegungen meiner Finger meistens, wann ich mich vertippt hatte, auch wenn ich meinen Fingern nicht wirklich folgen konnte, wann sie was tippten. (Leider eben vertippe ich mich ziemlich oft, weswegen auch meine Qualitäten als Tipse ziemlich gleich Null gehen, aber nun gut. Für den privaten Gebrauch ist mein Tempo sehr von Vorteil. Wenn ich dabei meine Mutter sehe, dann will ich ihr immer vorschlagen, dass sie mir diktieren soll, was ich schreiben soll.) Dies funktioniert aber nur auf deutsch! Das finde ich auch wieder sehr interessant. Wenn ich auf polnisch schreiben will, dann tippe ich manchmal auch nur mit zwei Fingern. Da sieht man die Macht der Gewohnheit und wie man sich Sprache in die Finger schlagen kann. Englisch geht auch schneller als Polnisch. Ich vermute, das liegt daran, dass von den Wortarten sind Deutsch und Englisch sich wesentlich ähnlicher, weswegen ich quasi wie auf deutsch englisch tippen kann. Die Laute, die ich mir denke, kommen dann besser an. Im Polnischen muss ich darüber zu viel nachdenken. Ich hoffe, dass ich daran arbeiten kann und auch besser werde.
(Dafür bin ich aber meinen Eltern sehr, sehr dankbar, dass sie mir erlaubten, mich im Bereich es Malens, Zeichnen und Werkens zu fördern und zu verbessern, außerhalb der Schule, bei Kursen in einer Kunstschule. <3)
Jedenfalls, zurück noch zu den Schulen. Da gab es als Seitenthema auch das berühmt-berüchtigte Gedächtnistrainig und der Gedächtnissport. Wo Leute sich ein Kartendeck innerhalb von 3-4 Minuten merken und es danach aufsagen können, welche Karte welcher folgt. Für einen so vergesslichen Menschen wie mich ist das ein besonders interessantes Thema. Und es sind einfach oft die gleichen Systeme, die angewandt werden. Vornehmlich zwei, drei - die mit der Umsetzung in Geschichten, dann die Gedächtnisroute und schließlich das einfache Bilderumsetzen, wobei ich es es stark mit dem ersten und zweiten verbinde, weil das irgendwo die Grundvoraussetzung ist. Das erinnert mich daran, wie meine Mutter deutsch gelernt hatte. In der ganzen Wohnung hatte sie Vokabeln aufgehängt - deutsch nach vorne, hinten polnisch. Wenn sie durch die Wohnung ging, um etwas zu machen, Schränke öffnete und alles, sah sie das Wort und überprüfte es dann danach. Das hat natürlich mit dem regelmäßigen Üben zu tun, aber ich denke, ihr hat auch diese regelmäßige Route was gebracht. Für meine Wirtschafts-Klausuren will ich versuchen auf ähnliche Art die Formeln zu lernen. Sie sind einfach noch sehr abstrakt für mich. Natürlich brauche ich das Verständnis dafür, aber vllt kann ich endlich einen Weg finden, wie ich 'stur auswendig' lernen kann, was ich niemals konnte.

Ich weiß nicht, warum ich mich so für die Schulsysteme interessiere. Vielleicht natürlich deswegen, um zu sehen, in welche Richtung das in Zukunft geht, aber wahrscheinlicher kommt es mir vor, dass mich der psychosoziale Aspekt dahinter viel mehr interessiert. Die alternativen Schulen mit freiem Untericht, Selbstorganisation und gegenseitigem Unterstützen werden immer gerne hoch angepriesen, aber in einer anderen Dokumentation vor einiger Zeit, die sich auch damit beschäftigt hat, haben zwei Statistiker sich damit beschäftigt und sind zu dem Schluss gekommen, dass es kein Gut und Böse in dem Fall gibt. Es ist die einfache Individualisierung. Es kommt immer auf das Kind an, womit es besser klarkommt. Somit haben beide Systeme ihre Pros und Contras. Im Speziellen wurde da die Arbeit mit dem Frontalunterricht und den neueren Methoden, wie Gruppenarbeit und ähnlichem beobachtet. Die alternativen Schulen wurden mit hinzugezogen. Somit hatte mich das Urteil der Statistiker sehr zufrieden gestellt, weil ich nicht glauben kann, dass ledeglich das alternative System zum Wahren führt. Natürlich ist das besser an das jeweilige Kind angepasst, aber ich denke, einige Kinder würden von ihrer Persönlichkeit damit nicht wirklich klar kommen, weswegen der Frontalunterricht ihnen auch andere Möglichkeiten bietet, für sich zu sein und zu lernen. All in all ist auch der soziale Aspekt wichtig, vllt auch ein wenig ausschlaggebend. Lernklima ist das A und O, oder nicht?

Puh, so viel über Lernen gesprochen, mein Hunger ist nur größer geworden, sowohl auf Essen als auch auf Wissen. =) Deswegen schiebe ich mir jetzt meine Pizza rein und setze mich dann an mein Studium, dass ich neuerdings wohl am liebsten nur noch als "Doppelstudium BA in Fangirling und Angewandter Psychologie" vorstellen will. Glaubt mir, das ist es wirklich. ;D

nyx
18.7.09 13:47
 


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