Featherrain
„Pan Samochodzik i ...“ -
czyli „seria mojego serca, pasja ponad granic i cześć kultu śród moich kśiążek“


(„Herr Autolein und ...” – also „die Serie meines Herzens, eine grenzenlose Leidenschaft und ein Stück Kult inmitten meiner Bücher“)



“Nie trzeba szukać przygody. [...] Ona zjawia się sama.“ – Man braucht nicht das Abenteuer suchen. [...] Es taucht von selbst auf.“ (Thomasz NN)




„Pan Samochodzik i ...“ ist eine polnische Buchserie, die aus den 70ern stammt. Es ist eine Serie für Kinder und Jugendliche, in der es um einen Museumsbeamten handelt, der im polnischen Kunst- und Kulturministerium arbeitet und von seinem Chef wegen seinem Gespür fürs Lösen von Verbrechen gerne mal an so genante Spezialfälle herangebeten wird.
Das wäre eine absolut grobe Beschreibung meiner Lieblingsserie, die ziemlich nichtssagend ist. Deshalb will ich sie auf dieser Zusatzseite noch etwas mehr vorstellen, sowohl allgemeine Daten, als auch den Autor, die Nachfolgeautoren und – am wichtigsten – den Inhalt und die wichtigsten Charaktere dieser Serie.



Daten


Titel der Serie: „Pan Samochodzik i ...“ („Herr Autolein und ...”)

Autor: Zbigniew Nienacki

Folgeautoren: Jerzy Ignaciuk (Szumski), Andrzej Pilipiuk (Tomasz Olszakowski), Sebastian Mierzyęski (Miernicki), Arkadiusz Niemirski, Józef Rojek (Jacek Mróz), Józef Burniewicz (Burny)

Erscheinsungsjahr des ersten Bandes: *noch unbekannt* *die Information sucht*

Umfang der Originalserie (Anmerkung weiter unten): 12 Bände

Aktuelle Anzahl der Ausgaben (inbegriffen die Originalserie): 79 Bände + 0. Band (+ Doppelbände, die als ein Titel angeführt bzw. ein Band angeführt werden) (sprich: 85 Bände) (Stand: Feb. ’06)

Anmerkung: In den Angaben etwas weiter oben spreche ich von der Originalserie. Was ich damit meine, ist der Umfang der Serie bis ca. 1993 (geschätzt), als Zbigniew Nienacki sich entschloss, die bis dahin 12-bändige Serie “Pan Samochodzik i ...“ fortzusetzen.
Die bis dahin publizierten Bände waren bekannt unter den Titeln Pan Samochodzik i ...“:
1) „... Wyspa Złoczyńców“ („... und die Insel der Verbrecher”)
2) „... Templariusze“ („... die Tempelritter”)
3) „... Kśiega Strachów“ („...das Buch der Schrecken“)
4) „... niesamowity dwór“ („... ungewöhnliche Hof” (im Sinne von Schloss))
5) „Nowe przygody Pana Samochodzika“ („Neue Abenteuer des Herrn Autoleins“)
6) „... Fantomas”
7) „... zagadki Fromborka“ („... die Rätsel Frauenburgs”)
8) „... tajemnica tajemnic“ („... das Geheimnis der Geheimnisse”)
9) „... Winnetou”
10) „... Niewidzialni („... die Unsichtbaren”)
11) „... złota rękawica“ („... der goldene Handschuh”)
12) „... człowiek z UFO“ („... der Mensch aus dem UFO”)

Die Serie ist bis heute ein Begriff für Jung und Alt. Viele Kinder und Jugendliche, die heute diese Serie mitverfolgen, wurden durch ihre Eltern, die damit großgeworden sind, bewogen, damit anzufangen. Bei mir war es nicht viel anders. Der Titel mag abschreckend sein, aber ich habe für mich festgestellt, dass die Haltung, die man erstmals zum Buch hat, sehr der nahe kommt, die die im Buch agierenden Figuren gegenüber dem Protagonisten und seinem Auto einnehmen: abschätzend.



Die Hauptcharacktere


Tomasz NN
In einer deutschen Übersetzung würde er wohl Thomas NN heißen. Er ist der wahre Pan Samochodzik, da er mal von seinem Onkel Stefan Gromiłła ein Auto geerbt hat – und das nicht irgendeins! Der gute Onkel war ein Erfinder und somit war das Auto voller Schnickschnack gefüllt – im Endeffekt war es ein Wunderauto mit dem Motor eines Ferrari 410, kam auf 250 km/h (was für die 70er Jahre echt fantastisch war!), hatte die Eigenschaften eines amphibischen Gefährts, konnte sogar fliegen (manchmal mehr schlecht als recht) und war so hässlich, das man sich kaum traute damit auf der Straße zu fahren. Doch wer es zu schätzen wusste, der stieg auch ein – so auch Tomasz. So kam er zu seinem Spitznamen - Pan Samochodzik - Herr Autolein -, was eigentlich mehr eine Beleidigung gegenüber seinem potthässlichen Vehikels, aber mit der Zeit zu einem berüchtigten Beinamen wurde – eine Art Codename.
Tomasz ist zu Anfang der Serie um die 30 Jahre alt, Angestellt im Kunst- und Kulturministerium und geht seiner Leidenschaft des Reisens gerne nach – besonders Segeln. Doch sobald er zu anfangs eher hobbymäßig sich etwas als Detektiv und Schatzjäger aufspielt, kriegt sein Chef – Herr Marczak - davon Wind und nutzt das natürlich. Wegen seinem geschichtlichem Interesse und wegen seiner Arbeit, reist er viel in Polen und auch im Ausland rum, um dort spezielle Fälle zu lösen. Diese sehen dann ähnlich einer Schatzjagd nach verschollenen Kunstschätzen oder der Verfolgung von Verbrechern aus, die Kunstwerke ins Ausland schmuggeln oder einfach nur stehlen, um an interessierte Käufer weiterzuleiten.
Seine größten Schwächen hat er für Frauen, Kunstwerke und Rührei. Von den drei Dingen kann er nicht genug kriegen, wobei sein Verhältnis zu Frauen stets was besonders bleibt. Ungewöhnlich schnell verguckt er sich in eine junge, nette Dame, umschwärmt sie etwas, probiert sie auch das eine oder andere Mal zu beeindrucken, doch nie wird es wirklich was aus ihnen und selten kommt es sogar zu solch intimen Momenten, wie einem Kuss. So leidet der gute Tomasz ein wenig darunter, doch lebt er recht zufrieden in seiner Singlewohnung in Warschau, wo er dann später auch einen Hund bei sich hat - Protazy oder einfach auch nur Prot genannt.
Sein Erzfeind und ,auch wohl auf ihre Art Freund, war, seit dem Ende ihres gemeinsam Studiums in Kunst- und Kulturgeschichte, Waldemar Batura.
Er hat eine Schwester, die ein Zwillingspaar hat – Jacek und Zosia, die in der Nachfolgeserie eine etwas größere Rolle spielen dürfen, sprich: sie kommen öfters mal als Mitstreiter vor. (Zosia entspricht zu Deutsch Sophia, wobei ich mir Jacek nicht wirklich übersetzen kann. Ich kenne nur die englische Version: Jack.)
Als eine Art Beförderung wird ihm später ein Arbeiter zugeteilt, der ihm bei seinen Aufträgen helfen soll: Paweł Daniec.

Ich weiß nicht, wofür das NN steht, aber sein Nachname wird nie genannt und ist somit unbekannt. Er ist der Ich-Erzähler der Bände 0 bis einschließlich 16.


Paweł Daniec
Paweł wäre zu deutsch Paul. (Ui, an wen denken wir da? *g*) Er ist der Mitarbeiter, der Tomasz NN unterstellt und ihm treu ergeben ist. Als er sich bei dem Kunst- und Kulturministerium um die Stelle bewarb, sollte er erstmals abgelehnt werden, da seine Qualifikationen zu hoch waren und ihn Herr Marczak schweren Herzens abweisen wollte, da er für seine Fähigkeiten besser bezahlt werden müsste, als die Stelle eigentlich hergab, doch wollte Pawel auf Biegen und Brechen die Stelle, da es ihm nur ums Abenteuer ging und es ihm sehr viel bedeutete mit dem berühmt-berüchtigten Pan Samochodzik zu arbeiten. Daraufhin wurde er angenommen und es stellte sich heraus, dass er genau so ein “Freak“ wie sein neuer Chef war – sowohl mit seinen Vorlieben, als auch mit seinem merkwürdigen Auto (ein schrottreifer Volkswagen, karmesinrot mit der Aufschrift: „Liebt die Meertjungfrauen!“ – Anm.: der Volkswagen wird in Polen ‚Syrenka’ – zu deutsch – „Meerjungsfrau“ genannt, daher der Spruch), den er eigentlich seinem Bruder wegen dem bestandenen Abitur schenken wollte (und der bei einem Unfall geschrottet wurde, soweit ich mich erinnere ^^’’).
Der gute Junge hat ein Studium in Kunstgeschichte mit Auszeichnung hinter sich, kann tauchen, fahren, mit einem Paragleiter fliegen, hat den Schein zum Seekapitän erlangt, ist nicht auf den Kopf gefallen, kann sich mit Hand und Fuß wehren und hat ein enormes Gedächtnis für Geschichtliches. Natürlich hat auch dieser Charakter noch seine Makel. Zwar behält er gut und gerne einen kühlen Kopf in gefährlichen Situation und scheint einiges zu durchschauen, so hat er auch ein etwas hitziges Gemüt, ist manchmal etwas nachlässig und ist manchmal ziemlich paranoid, besonders was seinen Erzfeind angeht - Jerzy Batura, den Sohn von Waldemar Batura, der seines Vaters Erbe antritt, ihm in nichts nachsteht und sogar skrupelloser zu sein scheint.
Seine Vorlieben sind grüner Tee, wahlweise guter Kaffee und seine Pfeife, die er von seinem Vater geerbt hat und zu seinem Gedenken sie ab und zu zum Nachdenken pafft. Er lässt sich auch gerne mal von liebreizender Gesellschaft verzücken, doch nicht so sehr wie Herr Tomasz, sein Boss. Er bemüht sich immer, möglichst gut in seinen Augen zu wirken und probiert seine Hitzköpfigkeit dadurch zurückzuschrauben.
Paweł wird als großer, brünetter Kerl, der etwas schlaksig ist, mit einem intelligenten Blick dargestellt. Seine Wohnung, die winzig ist, liegt in Warschau. Nachdem er nicht mehr seine ‚Syrenka’ hat, darf er Rosinant, das neue Auto des Pan Samochodzik, quasi behallten, was ihn sehr freut und mit dem er sich sehr schnell anfreundet.
Da er nun der Assistent von Pan Samochodzik ist, kriegt er den scherzhaften Beinamen Maly Samochodzik, was übersetzt ‚Kleines Autolein’ bedeuten würde, aber darauf anspielt, dass er nun der kleine Pan Samochodzik, also der kleine Herr Autolein ist.

Ab dem 17. Band („Pan Samochodzik i Kindzal Hasan-beja“ – „Herr Autolein und der Krummdolch des Hasan-bej”) übernimmt er die Rolle des Ich-Erzählers für die Folgeserie.


Direktor Marczak
Herr Marczak ist Direktor der Abteilung für Denkmalschutz im Ministerium für Kunst und Kultur in Warschau und etwas älter als Tomasz NN, da er in Band 18 („Pan samochodzik i Bursztynowa Konata“ - „ ... – und das Bersteinzimmer“) sich in Ruhestand begeben will. Er ist verheiratet und ein ehrgeiziger und zielstrebiger Mensch, der sich gerne mit den Erfolgen seiner Abteilungen, die er größtenteils Tomasz NN zu verdanken hat, rühmt. In der Originalserie schaltete er sich ab und zu in die Fälle ein und half auch mit
Seine Sekretärin ist die üppige, blonde Fräulein Monika, die im 11. Band („Pan Samochodzik i Niewidzialini“ - „...- und die Unsichtbaren”) zum ersten Mal auftaucht und eigentlich das Bondgirl der Serie werden sollte – also Tomasz NNs Gehilfin. Doch war die Gute etwas zu fein für den Job, nicht ganz dafür geeignet und ihr lag es nicht wirklich (die Sorge um Fingernägel und Frisur war zu groß!), drum nahm Herr Marczak sie gerne unter seine Fittiche als seine Assistentin und Sekretärin, was sie mit Freuden annahm und gewissenhaft ihre Aufgabe erfüllte.


Waldemar Batura
Waldemar Batura ist ein sehr gebildeter, cleverer, selbstsicherer und klassischer Gentleman-Dieb. Gemeinsam mit Tomasz NN studierte er Kunstgeschichte. Sie verstanden sich während des Studiums prächtig und waren gleichzeitig Rivalin. Für Tomasz war es eine wahre Enttäuschung, als er feststellen musste, dass dieser großartige Mann auf die kriminelle Bahn kam und sie nicht mehr Rivalen, sondern Feinde waren. Waldemar sagte immer, dass man als kleiner Beamter im Kunst- und Kulturministerium nicht richtig leben kann, dass das Abenteuer dort zu suchen ist, wo die Grenze zwischen Legal und Kriminell liegt. Außerdem hatte er schon immer ein großes Bedürfnis nach Luxus und wurde schnell in der Branche bekannt und berüchtigt. Er führte ein Antiquitätengeschäft auf völlig legaler Basis, jedoch verdiente er quasi nebenher sein Taschengeld mit Schmuggeln und Anschaffen von Kunstgegendständen aus Privatsammlungen, Kirchen, Museen oder die für verschollen galten.
Er starb während der Flucht einer Aktion. Seine Gruppe und er waren unter Beschuss, konnten eigentlich flüchten, doch sah er, wie eine Frau aus seinem Team angeschossen werden sollte und warf sich heroisch vor sie. In einem privaten Krankhaus erlag er in der folgenden Nacht seinen Verletzungen. Sein letztes Gespräch direkt vor seinem Tod führte er mit Tomasz NN und sprach sich mit ihm aus.
Erst zu seiner Beerdigung erfuhr Tomasz ganz überrascht davon, das Waldemar Batura einen inzwischen schon erwachsenen Sohn hatte.
Weitere Lebensumstände liegen im Verborgenen, da er viel ihm Untergrund handelte und nach außen hin eine blütenweiße Weste hatte, führte scheinbar das Leben eines stinknormalen Antiquitätenverkäufers.

Jerzy Batura
Jerzy bedeutet zu deutsch Georg. Er ist der Sohn des in der Branche des Schmuggels und Kunsthandels bekannten Waldemar Batura und ist ungefähr so alt wie Paweł Daniec.
Jerzy ist ein junger Mann von großer Statur, wirkt zierlicher als erst ist, hat auffällig helle, blaue Augen und helles, blondes Haar. Viele Charaktereigenschaften hat er von seinem Vater geerbt, wie sein Hang zur Kriminalität, sein Scharfsinn, seine absolute Coolness und das einmalige Pokerface, dass nur unter sehr schweren Umständen erschüttert wird.
Auf der Beerdigung seines Vaters schwört er Tomasz NN und Paweł Daniec die Rache an Waldemar Batura. Er ist der festen Überzeugung, dass Tomasz’ Einfluss auf seinen Vater ihn dazu bewog diese heroische Tat zu begehen und damit sein eigenes Leben für andere herzugeben. Da aber Pan Samochodzik bekannterweise sich auch eher aus dem Geschäft zurückzog und seinen Platz Pawel einnehmen sollte, erklärt er ihn sofort zu seinen Erzfeind.
Über seinen bisherigen Lebenslauf ist nicht viel bekannt, aber er hat wahrscheinlich auch Kunstgeschichte studiert, was sein Wissen erklären würde – eine andere plausible Erklärung wäre eine ausgiebige Lehre beim Herrn Vater, der das Kunstgeschichtsstudium besser abschloss als Tomasz NN. Auch ist seine Mutter unbekannt.
Jerzy übernahm nach dem Tod seines Vaters seine Nachfolge im Geschäft und versucht sich auf dem Schwarzmarkt und in all den anderen kriminellen Gefilden durchzuschlagen, wobei auch manchmal deutlich durchkommt, wie schwer das Leben mit all dem ihm auch teilweise fällt, weil er Probleme mit der Mafia und ausländischen Kunstdieben, mit denen er kooperieren musste hatte und knapp und mit viel Geschick mit heiler Haut sich da rausretten konnte.
Er steht in Kapfkünsten und Talenten Pawel nichts nach und lernt durch eine gemeinse Aktion die Gräfin Anna von Lindorff kennen, in die sich beide verlieben, er aber scheinbar das Rennen macht, aber am Ende beide wollt mit ihr es verspielt haben. Das reißt teilweise eine tiefere Klufft zwischen die zwei, aber durch andere, gemeinsam durchstandene kleinen Abenteuer haben sie sich als Erzfeinde akzeptiert und achten sich. Ein besonders Merkmal von Jerzy Batura ist sein unglaubliches Können, sich zu verkleiden, da er ein relativ auffälliges Aussehen durch die hellen Haare und die sehr hellen Augen hat.




* * *
(aus „Pan Samochodzik i Testament Rycerza Jędrzeja“ - „ ...- und das Testament des Ritters Jędrzej“, letztes Kapitel, Abschnitt: * Letztes Gespräch mit dem Gegner * ; Übersetzung bei M. Cieslicki)




[...]
An diesem Tag legte ich mich früher schlafen, um den Schlaf der letzten durchgearbeiteten Nächte nachzuholen, doch der Traum wollte nicht kommen, wie von der in meiner kleinen Wohnung herrschenden Hitze abgeschreckt. Es half nicht das Fenster zu öffnen; die Mauern der Altstadt waren wie in Flammen gesetzt nach dem heißen Tag und strahlten weiter diese Wärme aus. Statt Müdigkeit verspürte ich eine Art Angst oder Unruhe. Ich zündete mir eine Zigarette an und stand aus dem Bett auf. Ich ging ans Fenster. Die kleine Gasse unten war leer. Nur an der Straße kamen zwei sich aneinander reibende Katzen vorbei. Sie setzten sich unter die Laterne und leckten sich die Pfoten.
Dann klingelte hinter meinem Rücken das Telefon. Zum Hörer greifend blickte ich auf die Uhr. Es war kurz vor Mitternacht.
„Ja, ich höre?“
„Ich bin's, Tomasz...“, meldete sich eine leise, aus einer großen Entfernungn zu mir reichende Stimme.
„Tut mir Leid, aber ich erkenne nicht wieder. Wer?“
‚Irgendeinem Trottel war wohl grad nach Scherzen!’, dachte ich wütend, den Aschenbecher herumschiebend.
„Waldemar. Waldemar Batura. Erinnerst du dich?“, raschelte es mit eine Spur Ironie und einer Priese Vorwurf im Hörer.
„Entschuldige, aber deine Stimme hat sich so verändert. Zu nichts diese Telefone. Was führt dich oder eher deine Stimme zu so einer Stunde zu mir?“ Ich gebe zu, der Anruf meines Feindes stimmte mich misstrauisch.
„Jede Uhrzeit ist gut, um sich zu verabschieden. Besonders, wenn das ein Abschied auf lang ist ...“
Interessant! Batura hatte die Sehnsucht sich von mir zu verabschieden?! Wollte er meine Aufmerksamkeit einschläfern, weil er plant, sich im Ausland abzusetzen? Na, dann lass uns plaudern! Vielleicht verrät er etwas unfreiwillig!
„Fliehst du aus dem Land, verlagerst du deine diebische Arbeit nach woanders oder hat man dich für ein paar Jahre weggesperrt? Aber darüber wüsste ich bescheid. Außerdem ist es schwer aus dem Knast anzurufen.“
„Vielleicht würde ich sogar das können“, hörte ich ein gebrochenes Lachen. „Schließlich weißt du, dass ich vieles kann ... konnte ...“
„Also?“ Ich zog an meiner Zigarette.
„Sie sperren mich nicht ein, Tomasz ... Und ich laufe nicht weg, weil davor niemand weglaufen kann. Ich gehe zur großen Freiheit ...“
„Wenn das wirklich die große Freiheit ist, warum solltest du vor ihr weglaufen wollen?“ und machte es mir im Sessel bequem.
„Ich ... sterbe.“
„Dummer Scherz!“
‚Ich überprüfe das, wie das mit deinem Sterben aussieht!’
„Ach, Tomasz, ungläubig wie dein Parton ...“ Der Hohn staute die Traurigkeit in seiner Stimme. „Du denkst jetzt, was heckt dieser Batura wieder aus. Dass man ihn überprüfen muss, mit einer ‚besonderen Behandlung’ begutachten ...“
Ich fühlte, wie Scham in mir aufstieg. Diese leise, ferne Stimme ... Plötzlich verstand ich, dass er nicht log. Aber ich kämpfte mit ihm weiter, mir selbst zum Trotze: „Du stirbst? Also rufst du bei mir an, um ausgiebig zu beichten, deine Kontakte verraten, deine Helfer ...“
„Teuerster! Du vergisst, mit wem du sprichst!“ Die Stimme nahm eine unerwartete Kraft an. „Noch immer bin ich Waldemar Batura. Der Beste in diesem Land, und vielleicht einer der besten Spezialisten für Kunstdiebstahl in Europa!“
„Und dieser Spezialist hat öfters mal eins auf die Finger gekriegt, von einem bescheidenen Beamten!“ Unwillkürlich hob ich auch meine Stimme an. „Was will dieser nun von ihm?“
Waldemar schwieg einen Augenblick. Als er sich wieder meldete, sprach er noch leiser: „Sich von ihm verabschieden ...“ Pause. „Und ihm vielleicht auch gestehen, dass er in seiner Branche echt gut ist ...“ Ein noch längeres Schweigen. „Und...“ Die Stimme kämpfte mit sich selbst. „ ... das er auch so bleiben soll ... Schade nur, dass nie wieder ...“
„Waldemar, was ist passiert?!“ Meine zitternde Hand griff nach der nächsten Zigarette.
„Es gibt so wenig Platz in unserer geliebten Welt ...“ Die leise Stimme sprach weder zu mir noch zu sich. „Sollten zwei Autos die gleiche Parklücke erwischen wollen und sich treffen, dann geschieht ein Unfall; wenn ein Eisberg und die ‚Titanic’, dann passiert eine Katastrophe, an die sich die Menschen noch Jahrhunderte erinnern werden; wenn eine Kugel und Waldemar Batura, dann sollte der zweite die Vorfahrt gewähren ... Überholen ... Ich habe es nicht geschafft. Nicht mehr die Reflexe. Es ist traurig, sich vor seinem Tot langsam und alt zu fühlen; nicht in der Blüte seiner Jugend dahinzuscheiden, wie die Auserwählten der Götter ...“
„Spinn nicht rum...“, sagte ich, um überhaupt etwas zu sagen und die Stille zu übertönen.
„Ich hielt im Lauf an ...“ Wieder erklangen die langsamen Worte. „Und sie rannte... Nein, jetzt rennt sie nicht mehr, sondern lauert, bis ...“
„Welche ‚sie’?“
„Die Kugel, die irgendein Mistkerl abschoss. Ich weiß nicht mal, wer ... Wenn ich nur wüsste, ich würde ...“ Ich hörte die Wut meines früheren Gegners in voller Stärke. „Nun gut, es lohnt sich nicht sich zu ärgern. Es ist, wie es ist! Also, Klartext sprechend, das verdammte Ding hat sich mir irgendwo in die Wirbelsäule gebohrt und lässt mich gnädigerweise noch eine bestimmte Zeit leben. Eine kurze Zeit.“
„Übertreibst du nicht?“, versuchte ich, wollte standhaft bleiben. „Schließlich rufst du mich an, redest ... Was sagen dazu die Ärzte? Sollte es dir denn, den Immerreichen, in so einer Situation an Geld für einen Fachmann gemangelt haben?“
„Leisten, natürlich kann ich ihn mir leisten ...“ Ein leises Lachen. „Die Klinik zu Szaserów ist nicht irgendein Krankenhaus und die Neurochirurgen nicht irgendwelche Medizinmänner! Aber gerade die haben mir eben gesagt, was ich dir grad: nur noch wenig Zeit. Genau richtig, um noch zu Plaudern. Außer wenn Fräulein Ella, die so freundlich war deine Nummer zu wählen und mir den Hörer ranzuhalten, die Geduld verliert ...“
„Das ist schrecklich ...“, stammelte ich. „Nie dachte ich, dass wir uns so ... trennen würden ...“
Wieder lachte Waldemar wie vor Jahren: „Hast wohl davon geträumt, mich hinter Gittern zu führen, was?“
Ich räusperte mich: „Trottel! Du hättest immer die Seite wechseln können!“
„Pfadfinderchen! Pfadfinderchen!“, lachte er. „Verzeih, aber ich habe nie an so eine Veränderung, welche du meinst, gedacht ...“ Der Verletzte unterbrach, höre wie er ein und dann zweimal den Speichel schlucken muss, tief Luft holt. „Nun ... ich muss wohl ehrlich sein ...“ Seine Stimme klang rau. „Manchmal ... Wenn man die Zeit so zurückdrehen könnte ...“
Die dritte Zigarette zerbrach in meinen Fingern.
„Sei ...“ Ein schwerer Atem im Hörer. „Ich muss schon ...“
Stille. Eine weibliche Stimme: „Herr Batura muss sich ausruhen. Gute Nacht.“
Gute Nacht. Für wen? Ich hievte mich aus dem Sessel und trat ans Fenster heran. Die Katzen unter der Laterne waren erstarrt, wie ägyptische Götzenfiguren.
Ich schlief diese Nacht nicht viel. Eine Stunde verstrich nach der anderen. Es dämmerte.
Doch erst gegen Mittag rief ich bei Szaserów an: „Könnte ich um eine Verbindung mit dem Herrn Batura bitten?“
„Wer bittet?“
Ich schwieg einen Augenblick, schließlich riss ich mich für das Wort zusammen: „Ein Freund.“
„Tut mir Leid, aber Herr Batura ist heute Nacht verschieden.“
Die Hand presste sich willenlos gegen den Hörer.
[...]





(Copyright liegt bei den Erben von Zbigniew Nienacki.)

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